Das beschäftigt die Mitglieder der ANU Bayern

Im Januar 2016 fragte die ANU Bayern ihre Mitglieder: Welche Projekte zur Umweltbildung mit Flüchtlingen machen oder planen Sie? Die Antworten förderten erstaunliche Einblicke zutage.

Was beschäftigt Umweltbildner in der Arbeit mit Flüchtlingen? Bild: CC by Valerie Everett, Flickr.com

 

1.    Welche Projekte zur Umweltbildung mit Flüchtlingen machen oder planen Sie?

Die bestehenden oder schon durchgeführten Projekte reflektieren die vielfältigen Möglichkeiten, um Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Geflüchteten in Bayern umzusetzen: Garten- und Kreativprojekte in Flüchtlingswohnheimen, gemeinsame Wanderungen, Projektarbeitswochen im Wald, Trainingsseminare, Bürgerbeteiligungsprojekte, Almschulen u.v.m.


Geplant sind u.a. weitere Begegnungsprojekte, Schulklassenprojekte zum Thema Kleidung und Konsum, Wildbienenweiden als Gemeinschaftsprojekt mit Flüchtlingen und Naturschutzjugend, eigene Schulwochen mit Unterricht und Waldausflügen, Wildniscamps mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) und Jugendlichen aus der Region. Auch Aktionsnachmittage mit einheimischen und geflüchteten Jugendlichen sind vorgesehen. Außerdem sind partizipative Projekte wie eine Multiplikatorenschulung (z.B. zum „Energiespar-Experten für Asylunterkünfte), Fachmodule zu Abfall und Wertstoffen, sowie Deutschkurse mit Unterrichtseinheiten zum Thema Ressourcenschutz geplant.

2.    Welche Materialien und Methoden stehen Ihnen dafür zur Verfügung?

Die Methoden der ANU Bayern Mitglieder sind ebenfalls vielfältig: Naturpädagogik, Wildnispädagogik oder Methoden der BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung), die Kompetenzen fördern: handwerklich (z.B. gärtnern, kochen), erkundend (mit Kamera und Interviews), künstlerisch-kreativ mit alten und neuen Medien(Beteiligung an einer geplanten Ausstellung zum Wert der Vielfalt) oder Planspielen zum Wert der Vielfalt. Auch Zertifikatsabschlüsse für die teilnehmenden Flüchtlinge sind angedacht. Als Materialien greifen die ANU Mitglieder auf Publikationen und Websites zurück, die auch auf dieser Website vorgestellt werden.

3.    Welche Materialien wären für Ihre Arbeit hilfreich und nützlich?

Die ANU-Mitglieder wünschen sich vor allem Zugriff auf vielsprachiges Bildungsmaterial: Neben bebilderten Übersetzungen für Baum-, Pflanzen- und Tierarten, sowie grundlegenden Übersetzungen von kurzen Einführungstexten zu den Themen Nachhaltigkeit, Biodiversität, Gerechtigkeit, etc. könnten sie auch kurze Erläuterungen zu den Hintergründen der Naturschutzarbeiten gebrauchen, die mit Freiwilligen umgesetzt werden. Die Nationalitäten- und Sprachvielfalt unter den Teilnehmer_innen ist für einzelne Einrichtungen kaum alleine abzudecken. Basale Sprachkenntnisse werden in den Projekten vermittelt, aber es fehlt an Hintergrundinfos.


Als wichtig empfinden die Umweltbildner_innen außerdem Informationsmaterialien über den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Traumata sowie Konfliktbewältigung.
Besonders die gärtnerisch Engagierten suchen nach Spenden und Sponsoren für Gartengeräte und Baumaterialien zum Handwerken, z.B. für Vogelhäuser, Solardörrer, etc.


Alle wünschen sich Beispiele und Erfahrungsberichte von bereits begonnenen Umweltbildungs-Projekten mit Flüchtlingen. Solche finden sich auf der Website „Umweltbildung mit Flüchtlingen“.


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4.    Welche Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote zur Arbeit mit Flüchtlingen wären für Sie interessant?

Als wertvoll empfinden ANU Mitglieder vor allem die Vernetzung und den Austausch mit anderen Umweltbildner_innen. Deshalb lädt die ANU Bayern am 26. April 2016 zum Werkstatt-Treffen in München ein. Weiterhin wünschen sich die Mitglieder Informationen zu Tagungen und Fortbildungen, wie sie hier vorgestellt werden. Besonders zum Hintergrund der Flüchtlinge wird Qualifizierungsbedarf gesehen: Umgang mit der Religion, persönliche Schicksale, Umgang mit verschiedenen Kulturen sowie mit Konflikten und Traumata. Dazu bieten auch Kooperationspartner wie die LAG Jugendsozialarbeit Seminare an.
Zu den Seminaren

5.    Welche Förderungen nutzen Sie für die Umweltbildung mit Flüchtlingen?

Förderungen erhalten die ANU-Mitglieder u.a. über das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz über die drei Förderprogramme Umweltstationen, Umweltbildungseinrichtungen und Umweltbildung/BNE in der Jugendsozialarbeit in Bayern, über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie über Träger- und lokale Finanzierungen (z.B. Stadtjugendamt der LH München) oder Zuwendungen regionaler Akteure wie z.B. der Sparkassen.

6.    Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei der Umweltbildung mit Migrant_innen?

Das größte Problem ist für viele der teilnehmenden ANU-Mitglieder die Sprachbarriere. Weiterhin kann es durch unterschiedliche kulturelle Hintergründe zu Missverständnissen und Konfliktsituationen kommen. Viele Flüchtlinge haben Berührungsängste vor jeglicher Art von Tieren.


Teils sind die Umweltbildner angewiesen auf Kooperationspartner, die die Anmeldeverwaltung und den dauerhaften Kontakt mit den geflüchteten Menschen übernehmen. Da die Einrichtungen selbst oft vor sehr herausfordernden Situationen in ihrer alltäglichen Arbeit mit den Menschen stehen und von politischer Seite zusätzlicher Druck entsteht, fehlen bei den vermittelnden Kooperationseinrichtungen mitunter die Kapazitäten, um das Angebot effizient zu kommunizieren.


Als spannend gesehen wird u.a. das Thema „Partizipation“ sowie die „Kommunikation über Werte und Vorstellungen einer lebenswerten nachhaltigen Zukunft“. Es kann als schwierig empfunden werden, für BNE (Bildung für Nachhaltige Entwicklung) zu begeistern, weil für manche Geflüchteten erst einmal Konsum interessant ist.

 

7.    Mit welchen Partnern arbeiten Sie in der Umweltbildung mit Flüchtlingen zusammen?

Bisher arbeiten die ANU-Mitglieder mit verschiedenen Partnern zusammen, die sie personell, organisatorisch und teils auch finanziell (z.B. durch Tagespauschalen für Essen und Übernachtung bei Ausflügen mit Flüchtlingen) unterstützen. Dazu gehören Freizeiteinrichtungen für junge Asylbewerber, Helfer-Initiativen, Wandergruppen, Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie, Asyl-Arbeitskreise, Grund- und Gewerbeschulen, Bildungszentren, Kreisjugendring, Heimatvereine, Kreativquartiere. Manche wenden sich an kommunale Ansprechpartner oder suchen Rat von externen Fachleuten zu verschiedenen Schwerpunkten.


Weiterhin wertvoll wären für die Umweltbildner_innen Kooperationen mit Partnern vor Ort, die die Bedürfnisse und Interessen der Asylbewerber kennen, bereits ein gewisses Vertrauen bei ihnen haben und sie ansprechen und mobilisieren können. Besonders Partner aus der Arbeit mit geflüchteten Menschen sowie „Multiplikator_innen“ aus den Ländern und Kulturen der Geflüchteten können Impulse für eine gelingende Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Flüchtlingen geben. Auch Menschen und Institutionen mit Erfahrungen in der sozialpädagogischen Betreuung von Geflüchteten, die offen für Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung sind, wären bereichernde Partner. Das Netzwerk der ANU wird von den Mitgliedern geschätzt, um Erfahrungen auszutauschen und von guten Praxisbeispielen zu erfahren. Mit stärkerer finanzieller Unterstützung könnten die Engagierten mehr Zeit investieren. Auch dafür werden Partner gesucht, um z.B. gemeinsam EU-Fördermittel für regionsübergreifende Kooperationsprojekte zu beantragen.

 

Sie interessieren sich für Umweltbildung mit Flüchtlingen und suchen konkret Partner und Unterstützung? Schreiben Sie uns an bayern@anu.de!

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