LandArt – Kunst in der Natur

Bei Ausflüge in den Wald entdecken geflüchtete Kinder die Natur auf spielerische und künstlerische Art.

Pfützen färben, mit Naturmaterialien basteln: Mit Sabine Heruday entdecken geflüchtete Kinder und Jugendliche die Natur spielerisch und künstlerisch. Fotos: Sabine Heruday

Die Umweltpädagogin und freischaffende Künstlerin Sabine Heruday arbeitet schon seit vielen Jahren mit Kindern und Erwachsenen in der Natur. Ein wichtiges Anliegen ist ihr dabei, künstlerische Prozesse in Gang zu setzen. Material und Anregungen für alle Sinne gibt es in der Natur in Hülle und Fülle. Es geht darum, sie zu entdecken und spielerisch damit umzugehen.

Als in ihrem Wohnort Rosbach (nahe Frankfurt a. M.) eine Flüchtlingsunterkunft für 6 Großfamilien in einem ehemaligen Bürogebäude eingerichtet wurde, wollte sie dieses Konzept auch für die Kinder der geflüchteten Familien anbieten. Die Einrichtung und das nähere Umfeld boten den 15-20 dort lebenden Kindern wenig Abwechslung und Beschäftigungsmöglichkeiten. Ausgerüstet mit Wasserfarben, Wachsmalkreide und Ton erkundeten Sabine Heruday und einige der Kinder den Wald und die Umgebung. Sie bemalten Baumstümpfe und Steine, färbten Pfützen und formten Gesichter aus Ton.

Kunst und Abwechslung im Wald
Die Kinder hatten großen Spaß, sie lachten, bewegten sich frei, waren gelöst und konnten Ängste und schmerzhafte Erinnerungen zumindest für den Moment hinter sich lassen. Einfach im Hier und Jetzt ankommen. Sprach- und Verständigungsprobleme gab es dabei nicht – die drei- bis sechzehnjährigen Kinder und Jugendlichen wussten sofort etwas mit den Farben anzufangen und wurden schnell in dem zunächst ungewöhnlichen Umfeld kreativ. Das mitgebrachte Material gab den Impuls, der direkt von den Kindern verstanden und umgesetzt wurde.

Die positive Wirkung zeigte sich auch in der Resonanz der TeilnehmerInnen – sowohl die Kinder als auch die Eltern waren überaus dankbar für die abwechslungsreiche Aktivität. Die Spaziergänge fanden regelmäßig einmal wöchentlich statt. Die Anregungen wurden von den Kindern auch außerhalb der Ausflüge aufgenommen. Einige fingen an, ihr Umfeld weiter zu gestalten und bemalten bspw. Kieselsteine in ihrem Hof.

Hier zeigt sich jedoch auch eine potentielle Herausforderung: So wenig nötig eine gemeinsame Sprache bei der Vermittlung der Arbeitsweise war, wird sie beim Aufzeigen und Erklären von Grenzen zum Problem. Denn die Malaktionen müssen immer abgesprochen und erlaubt sein, auch wenn die Wasserfarbe vom Regen abgewaschen wird. Eine weitere Herausforderung, die zumindest teilweise auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen ist, stellte das anfängliche Verhalten einiger (älterer) Teilnehmer dar, die sich frech und respektlos verhielten. Mittlerweile fragen jedoch auch sie nach dem nächsten Ausflug in den Wald.

Ungewisse Zukunft des Projekts
Auf organisatorischer Ebene war die Finanzierung eine Herausforderung, da es keine Förderer gab und gibt und das Projekt somit nicht nachhaltig etabliert werden kann. Außerdem erschwert eine eigentlich positive Entwicklung die Arbeit der Ehrenamtlichen: Da die baufällige Flüchtlingsunterkunft abgerissen werden soll, wird für die Familien nach Wohnungen und Häusern im Ort gesucht. Erfreulicherweise haben die meisten Familien schon ein neues Zuhause gefunden, das ihnen wesentlich mehr Freiheiten bietet. Allerdings ist es nun schwieriger geworden, sie anzusprechen und zu erreichen, da ein gemeinsamer Treffpunkt fehlt. Eventuell könnte dieser an einem interkulturellen Begegnungsort entstehen, den Sabine Heruday momentan konzipiert. Auch wenn die gemeinsamen Ausflüge in den Wald bis dahin zunächst ausgesetzt sind, möchte sie die geflüchteten Kinder gerne an ihrem regulären Programm teilhaben lassen und so einen wichtigen Integrationsbeitrag leisten. Ein Finanzierungsmodell ist hierfür jedoch noch nicht gefunden.
 

Infos:
Sabine Heruday
Umweltpädagogin und freischaffende Künstlerin
Hintergasse 3
61191 Rosbach v.d.H.
Telefon: 06003 934374
E-Mail: sabine.heruday@t-online.de 


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