Ankommen. Unterkommen. Zurechtkommen!

Der Wildnispädagoge Florian Heiß entdeckt mit jungen unbegleiteten Flüchtlingen Ingolstadt und Umgebung.

Gemeinsamer Ausflug: Stadtführung in der Altstadt von Ingolstadt. Foto: Florian Heiß

Die Stadt von oben: Viele der Flüchtlinge stehen das erste Mal in ihrem Leben so hoch über der Erde. Foto: Florian Heiß

Im Grünen: Die Jugendlichen entdecken Flora und Fauna am Baggersee im Auwald von Ingolstadt. Foto: Florian Heiß

Kochen verbindet: Gemeinsam bereiten die jugendlichen Flüchtlinge bayerische Spezialitäten zu. Heute: Semmelknödel mit Soße. Foto: Florian Heiß

Starke Helfer: Ohne die Unterstützung dieser Sponsoren wäre das Projekt „Ankommen. Unterkommen. Zurechtkommen!“ nicht möglich.

Im interkulturellen Projekt „Ankommen. Unterkommen. Zurechtkommen!“ arbeitet der selbstständige Wildnispädagoge Florian Heiß mit jungen Asylsuchenden – in Zusammenarbeit mit der Berufsschule Ingolstadt. Jede Woche trifft sich die Gruppe von ca. 20  jungen Asylsuchenden mit dem „Wildnisfloh“, der ihnen die hiesige Natur, Kultur, Sitten und Bräuche näher bringt. Der interkulturelle Austausch ist dabei ebenso wichtig, wie das Kennenlernen der neuen Umgebung und Zurechtfinden in der neuen Lebenswelt.

Die Berufsschule Ingolstadt hat sieben Flüchtlingsklassen mit teils begleiteten, teils unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. In den Klassen 10 und 11 werden sie nach ihrem Deutschniveau aufgeteilt. Florian Heiß entwickelt „Projekte für Menschen“. Dabei geht es ihm nicht nur um den Spracherwerb, sondern vor allem um das Kennenlernen von Kultur, Umwelt und Natur: Hiesige Klimazonen unterscheiden sich von denen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Auch die Tierwelt ist anders. Um die neue Heimat kennenzulernen, geht der ausgebildetete Wildnispädagoge mit den Flüchtlingen in den Wald.

Achtsamkeit für die Natur

Bei Ingolstadt liegt einer der größten Auwälder Deutschlands. Zu Beginn der Ausflüge hatten die Flüchtlinge Angst in höheres Gras zu gehen, weil sie dort Schlangen und Skorpione vermuteten. Für Florian Heiß sind diese kulturellen Unterschiede bedeutsam: „Uns fehlt die Achtung vor der Natur, weil Tiere uns hier nicht gefährlich werden können“, sagt er. „Wir laufen durch die Wälder, als wären es unsere Wohnzimmer“. Mit Achtsamkeit durch die Wälder zu sehen und Bäume, Pflanzen, Geräuche, Gerüche und Tiere wirklich wahrzunehmen, ist ihm deshalb wichtig.

Behutsamkeit bei den Gesprächsthemen
Besonderes Fingerspitzengefühl ist gefragt, wenn das Gespräch auf die Vergangenheit der Flüchtlinge kommt. Wie kamen sie hier her, was ist geschehen? Wenn es um die eigene Familie geht, werden die Erzählungen emotional. Es sei besser zu warten, bis die Jugendlichen von sich aus erzählen, so die Erfahrung von Heiß. Über aktuelle Themen in den Medien oder die allgemeine Stimmung lässt sich dagegen unkompliziert sprechen.

Kulturelle Unterschiede ansprechen
„Viele Konflikte entstehen durch anders erlebte Kultur“ , sagt Heiß. Deshalb sei ein gewisser Wortschatz wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem müsse man in der Arbeit mit jungen Flüchtlingen berücksichtigen, dass sie teilweise 16 Jahre in anderen Ländern gelebt haben und dort anders „ticken“ mussten. Oft ging es ums reine Überleben, teils drohten (für hierzulande normal erscheinende Handlungen) harte Strafen. Hier in Deutschland ist für die Geflohenen nun plötzlich alles anders. Deshalb resümiert der Pädagoge: „Deutschkurse reichen nicht, es braucht auch einen Kulturkurs“.

In nächster Zeit möchte Florian Heiß auch mit gemischten Klassen, also auch Jugendlichen aus der Region, arbeiten. Die Begegnung in der Wildnis wird in den Regellehrplan eingebaut, in den einzelnen Unterrichtsstunden erleben die Jugendlichen ihre natürliche Umgebung in Theorie und Praxis. Das Projekt wird gefördert durch den Kleinprojektefonds der Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt e.V. (IRMA) und durch Stadtkultur Netzwerk Bayerischer Städte e.V.


Kontakt und Infos
Florian Heiß
Schulstr. 1 1/2
85049 Ingolstadt

Tel.: 0157 50961972
E-Mail: wildnisfloh@googlemail.com

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