Kartoffel trifft auf Kurkuma und Koriander: Gärtnern in Freiheit für Frauen mit Bleibeperspektive

Migrantinnen mit Bleibeperspektive aus Herten gestalten im BUND-Naturerlebnisgarten Herten einen interkulturellen Gemüse- und Kräutergarten.

Erfahrungsaustausch: Frauengruppe des Projekts „Gärtnern in Freiheit für Frauen mit Bleibeperspektive“. Foto: BUND Ortsgruppe Herten

Flüchtlinge im Projekt „Gemeinsam schaffen wir barrierefreie Naturerlebnisse“ bauen eine Mauerspirale für Kräuter, die die Frauen des Projekts „Gärtnern in Freiheit“ nutzen können. Foto: BUND Ortsgruppe Herten

Das Haus der Kulturen ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Diakonischen Verbände und der AWO, in der sich Frauen unterschiedlicher Herkunftsländer wöchentlich zu Kaffee/Tee und Kuchen treffen und auch gemeinsam kochen und Lieblingsrezepte austauschen. Die Frauen hatten während ihrer wöchentlichen Treffen im Haus der Kulturen den Wunsch geäußert, eine kleine Gartenfläche zum gemeinsamen Gärtnern in Herten zu finden.

Das Projekt „Kartoffel trifft auf Kurkuma und Koriander“ bietet nun die Möglichkeit, im BUND-Naturerlebnisgarten eigenes Gemüse und Würzkräuter anzubauen und über das gemeinsame Gärtnern eine gemeinsame Sprache zu finden, die Menschen unterschiedlicher Herkunft sprechen und versehen. Es bietet die Chance eigene Samen auszusäen, sich in der neuen Heimat zu verwurzeln, anzukommen und sich einzubringen und dabei im gemeinsamen Tun die deutsche Sprachkompetenz auszubauen und in Gesprächen zu erproben.

Viele Migrantinnen bringen Erfahrungen in Gartenwirtschaft mit, ebenso wie soziale Kompetenzen im gemeinsamen verarbeiten von Lebensmitteln und im gemeinsamen Zubereiten von Gerichten. Der Austausch untereinander vervielfältigt das vorhandene Wissen und es kann ein neues „wir“ im interkulturellen Gartenraum entstehen. Zudem kann der Aufenthalt im Garten Hoffnung, in der Fremde ankommen zu können, geben. Dabei ist es wichtig Differenzen und Gemeinsamkeiten zu entdecken und auszudrücken.   

Das Gartenprojekt läuft in Kooperation mit dem „Café Kumpel“, einem Projekt des Haus der Kulturen Herten. In diesem Rahmen legen Geflüchtete auch neue Natur- und Umweltbildungsbereiche im Projekt „Gemeinsam schaffen wir barrierefreie Naturerlebnisse“ an und führen vierteljährlich Müllsammelaktionen durch.

Schwerpunkte

Das Projekt läuft von Mai 2016 bis Ende März 2017 und soll folgende Punkte beinhalten:

  • Vergleich von Gartenpraxis in Deutschland – Gartenpraxis in Syrien, Afghanistan oder in afrikanischen Herkunftsländern
  • Schaffung neuer Umweltbildungsbereiche und ökologische Aufwertung des Geländes durch   neue interkulturelle Beete
  • Experiment: mobiles gärtnern in Säcken, Brotkisten, Tetrapacks, die auch auf den eigenen Balkon oder in die Flüchtlingseinrichtung mitgenommen werden können um dort weitere Menschen zu animieren, mobile Gärten zu schaffen und auszuweiten.
  • Gärtnern auf Hochbeeten, Hügelbeeten, Kräuterspiralen
  • Nutzpflanzen anbauen – biologische und soziale Vielfalt kultivieren
  • Eigenen Dünger herstellen – verschiedene Methoden der Kompostierung ausprobieren
  • Heilkräuterkunde: Herstellung von Salben und Tinkturen für die eigene  Hausapotheke
  • Einrichtung einer Gartenküche/Gartengastronomie, in der die eigen angebauten Gemüse und Kräuter zu internationalen Gerichten verkocht und verspeist werden und für neue Geschmackserlebnisse sorgen können.
  • Entwicklung eines Kochbuches mit gemeinsam entwickelten Rezepten, die einheimisches Gemüse mit ausländischen Kräutern und Gewürzen bereichern


Sprachförderung und fachliche Anleitung
Aspekte der Sprachförderung werden in besonderem Maße berücksichtigt: zwei Flüchtlinge aus Guinea und Syrien, die seit 4 Jahren in Herten leben, begleiteten als Dolmetscher für Französisch und Arabisch die ersten Projekttage. Das Team des Naturerlebnisgartens bringt in Bezug auf Sprachförderung mit Flüchtlingen und Kindern mit Migrationshintergrund viele Jahre der praktischen Erfahrung mit ein.

Fachlich angeleitet werden die Teilnehmerinnen von einer Umweltpädagogin/Wild- und Heilkräuter Pädagogin und einer Dipl. Biologin, die an jedem Aktionstag eine Gruppe von 8 Teilnehmerinnen begleiten und in die Gartenarbeiten einführen werden. Hier handelt es sich bei beiden Fachkräften um eine projektbezogene Honorartätigkeit.

Aktionstage entlang des Gartenjahrs
Jedes Treffen steht unter einem besonderen Schwerpunkt und richtet sich nach dem Gartenjahr. So wurden im Mai 2016 die Beete vorbereitet und Kartoffeln gepflanzt, Kürbisse und Zucchini aussäen. Es wurde auch thematisiert, welche Wildkräuter einladen, daraus ein kleines Picknick gemeinsam zu bereiten und die Gartenküche einzuweihen.

Finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Das Projekt „Gärtnern in Freiheit für Frauen mit Bleibeperspektive - Kartoffel trifft auf Kurkuma“ kann auf eine Finanzierung von 80% durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) aufbauen.

Institution & Infos:
BUND-Naturerlebnisgarten Herten
Sigrun Zobel
Paschenbergstraße 161
45699 Herten
Tel.: 02366 82249
E-Mail: bund-naturerlebnisgarten@t-online.de

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